Unsere pädagogischen Grundsätze und Ziele

Das folgende Bild vom Kind, aus dem wir unsere Rolle als Kindertagespflegepersonen ableiten, fußt auf den Grundlagen der Reggio- und der Montessori-Pädagogik [1]:

Jedes Kind ist einzigartig.

Jedes Kind bringt Begabungen und Interessen mit, die entdeckt, gefördert und herausgefordert werden wollen. Unsere Aufgabe ist es, das Kind dabei zu unterstützen und zu fördern und vor allem, es so anzunehmen und zu akzeptieren, wie es ist!

Jedes Kind steht in Beziehung.

In unserer Kindertagespflege sind Kinder in der Regel zum ersten Mal in einer größeren Gemeinschaft. Sie schließen Freundschaften und bauen Beziehungen auf. Um ein harmonisches Zusammensein zu ermöglichen, ist es für das Kind wichtig, die eigenen Grenzen zu erkennen, die anderen zu respektieren und Rücksicht zu nehmen.

Kinder testen sowohl innerhalb der altersgemischen Gruppe als auch im Umgang mit uns ihre Grenzen und Freiräume, um ihren Platz innerhalb der sozialen Strukturen zu finden. Dabei erhalten sie von den anderen Kindern sowie von uns Anreize für die Entwicklung ihrer Kompetenzen. Respekt, Wertschätzung im Umgang mit anderen Menschen und Kulturen sowie auch mit der Natur und der Umwelt sind die zentralen Werte, an denen wir unsere Beziehungsarbeit orientieren. 

Jedes Kind ist eigenständig.

Kinder sollen möglichst früh lernen, eigenständig zu agieren. Dies beginnt mit alltäglichen Lernfeldern wie beispielsweise beim Anziehen. Wichtig ist, dass Kinder dies mit aller hierfür notwendigen Zeit in ihrem eigenen Tempo lernen können und dabei entsprechend durch uns begleitet werden.

 

Jedes Kind ist kompetent.

Jedes Kind entdeckt und lernt im eigenen Rhythmus, stets unter angemessener Begleitung durch uns.

 

Jedes Kind kommuniziert.

Jedes Kind kommuniziert verbal und non-verbal. Wir deuten die Signale entsprechend und fördern individuell die Sprachentwicklung.

 

Jedes Kind braucht Bewegung.

Jedes Kind experimentiert mit seinen motorischen Fähigkeiten. Dementsprechend bieten wir viele Möglichkeiten zur freien Bewegung an.

 

Jedes Kind hat Einfluss.

Kinder sollen durch unser Feedback erkennen, dass ihr Handeln Reaktionen bei ihrer Umwelt hervorruft und dass sie konkret Einfluss üben, gestalten und wirken können. 

 

Jedes Kinder braucht Orientierung.

Unser strukturierter Tagesablauf hilft dabei, jedes Kind nach indivuellen Interessen in seiner Neugier und seinem Entdeckungsdrang zu fördern und ihm zugleich sinnvolle Grenzen zu setzen.

Jedes Kind fühlt .

Wir unterstützen die Kinder dabei ihre Gefühle zu leben und ihnen einen Namen zu geben.

 

Zusammengefasst heißt dies, dass unser pädagogisches Handeln durch das Beobachten und Wahrnehmen der Lebenswelt der Kinder und ihrer Familien bestimmt wird. So werden wir aktuelle Themen der Kinder aufgreifen wie Familienzuwachs, Umzug, Trennung, die wir durch Spiele, Bücher und/oder Geschichten gemeinsam erarbeiten. Entscheidend ist vor allem, dass wir als Kindertagespflegepersonen den Kindern Zeit schenken können. Dies unterscheidet uns von anderen Betreuungsformen. Durch kleine Gruppen von maximal fünf Kindern pro Betreuungsperson können wir uns jedem Kind in aller Ruhe widmen und haben Zeit, es zu fordern und zu fördern, es wachsen zu sehen und den Eltern durch unsere Beobachtungen klare Rückmeldungen über seine Entwicklung zu geben. 

 

Partizipation, Eigenständigkeit und Kreativität

Als Konsequenz aus dem von uns beschriebenen Bild des Kindes und dem daraus abgeleitetem Verständnis unserer Rolle als Kindertagespflegepersonen legen wir besonders Wert auf die Entwicklung und Förderung von Partizipation, Eigenständigkeit und Kreativität in einem familiären Kontext. Die Kinder sollen lernen, dass sie mitbestimmen und -gestalten können. Dies hat vor allem die Intention, dass das Selbstbewusstsein der Kinder durch eigene Entscheidungen gestärkt wird. Sie erleben Selbstwirksamkeit und entwickeln sich zu eigenständigen, selbstbestimmten Menschen.

 

Konkret verstehen wir unter Partizipation „Entscheidungen, die das eigene Leben und das Leben der Gemeinschaft betreffen, zu teilen und gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden“. (Richard Schröder) 

Kinder sind kompetente Akteure der eigenen Entwicklung. Sie setzen sich von Beginn ihres Lebens an aktiv und aus eigenem Antrieb mit ihrer sozialen und materiellen Umwelt auseinander und erlernen dadurch auch Eigenständigkeit. Dabei treffen sie immerzu wichtige Entscheidungen für ihr zukünftiges Leben. Partizipation bedeutet Mitbestimmung und Beteiligung der Kinder an allen sie betreffenden Angelegenheiten. In unserem Morgenkreis oder beim Essen haben die Kinder z. B. die Möglichkeit, Vergangenes zu reflektieren, Probleme zu benennen und Lösungsvorschläge zu machen, von schönen Erlebnissen zu berichten und sich an der Planung für die nächsten Wochen zu beteiligen. Feste Themen werden z. B. die Auswahl des Mittagessens sein. Dazu kommen situative Themen wie Vorschläge für Projekte und Aktivitäten. Um das Besprochene festzuhalten und für die Kinder sichtbar zu machen, gibt es ein Buch, in dem die Ergebnisse durch Zeichnungen der Kinder protokolliert werden können. Dieses Buch wird für die Kinder zugänglich aufbewahrt. Auch im Tagesablauf finden sich die Themen Partizipation und Eigenständigkeit vielseitig wieder: Die Kinder wählen ihre Spielpartner aus und bestimmen selbst Ort und Dauer ihres Spiels. Die Kinder lösen altersgemäß Konflikte eigenständig und finden Kompromisse. Es werden gemeinsam altersgemäß Regeln erarbeitet, die es einzuhalten gilt und die ggfs. gemeinsam geändert werden können. Sie lernen, Absprachen zu treffen und sich daran zu halten. Sie wissen, dass sie jederzeit mit uns kommunizieren können und werden in dem, was sie sagen und tun, ernst genommen. Vorschläge und Wünsche der Kinder werden respektiert und es wird versucht, sie bei der Umsetzung dieser zu unterstützen. Somit können die Kinder an ihren Aufgaben wachsen. Dadurch stärken sie ihre Kommunikationsfähigkeit und ihr Verantwortungsgefühl, indem sie selbstbestimmt wirksam werden können. Die Voraussetzung für eine Mitbestimmung ist, dass alle Beteiligten bereit sind, von- und miteinander zu lernen.

 

Neben Partizipation und Eigenständigkeit legen wir viel Wert auf die Förderung von Kreativität. Aus diesem Grund werden viele Bücher vorgelesen und angeschaut sowie Geschichten erzählt. 

Ob Toben, Spielen, das Sammeln von Hölzern und Steinen, um damit zu basteln, Verkleiden mit Tüchern – der Phantasie werden keine Grenzen gesetzt. Wir bauen Burgen aus Sand sowie Schlösser aus Decken und Kissen, spielen Ball und Fangen und verstecken uns. Wir singen, malen, basteln und puzzeln und wir bauen Türme, machen Ausflüge und erkunden die Natur. Wir backen und kochen und erleben die Welt mit den Augen der Kinder.

[1] Gerne informieren wir Eltern persönlich über die theoretischen Ansätze der Reggio- und Montessori-Pädagogik. Bitte sprechen Sie uns an. Zur Orientierung verweisen wir auf: https://de.wikipedia.org/wiki/Reggio-Pädagogik
http://www.montessori.de/montpaed.php.